Die Objekte von Marcos Vidal entziehen sich schnell den klassischen Verortungen durch das Wort. Zeigen sie eine objektive Wirklichkeit auf, sind sie objektiv wahr oder sind sie plastische Träger einer objektiven Wahrnehmung?
Vidal bricht die herkömmlichen Sehweisen als funktionale Verabredungen, mit denen sich die Gesellschaft ihr eigenes Verständnis und das allgemeine Zusammenleben erleichtert. Gesetze und Vorschriften werden erfunden, um die Funktionalität der Gegenstände zu garantieren. Doch diese Objektbeschreibungen sind Konstruktionen, die solange ihre Gültigkeit haben, bis eine neue Erfindung eine andere Wahrheit verlangt.
Vidal greift mit seinen Kunstwerken in diese Fragestellungen ein, in dem er durch seine Werke die Vertrautheit des Betrachters mit dem einzelnen Objekt aufgreift, um diese dann sofort wieder in Frage zu stellen. Vidal erneuert die sognannte Objektkunst, wie sie seit Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts die Kunstszene begeistert oder schockiert.
Das Glaubensbekenntnis der damaligen Zeit hieß: Objekt = objektiv = real = Realität. Das ready made unterlag dem direkten Zugriff des Künstlers, der seinerseits keine formalen Überlegungen mehr anstellen musste. Es galt nur noch, den richtigen Kontext zu finden.
Vidal liebt Objekte. Er sammelt sie, die Sägen, die Kabel und Rohre, die Spachtel, die elektrischen Stecker, das Zentimetermaß und mit besonderer Vorlieb die Holzblöcke, die er verwandelt. Nur die direkte Verwendbarkeit wird durch den neuen Charakter las Kunstwerk verboten. Jedes aufgegriffene Thema ist eine Poetisierung des eigentlichen Gegenstandes und zugleich eine kritische Hinterfragung der Funktionalität und der Akzeptanz in der kapitalistischen, kommerziellen Welt unserer Gesellschaft.
Deshalb sind die Werke des Künstlers keine Verspieltheit sondern das Resultat der eigenen kritischen Erfahrungen mit den Gewohnheiten und Gesetzen unserer Gesellschaft und zugleich die Verschönerung des Gegenstandes, der durch die neue gefundene Nichtbenutzbarkeit ein jetzt nur ästhetisches Leben vor sich hat.
Navaja knife z. B. zeigt eine Plastik mit einer großen Säge auf, die durch ihre Zickzackform von großer Dynamik ist. Trotz des geschnitzten groben Holzgriffs ist sie nicht direkt zu benutzen. Doch den Künstler erinnert sie an das elektrische System in Spanien, das im Gegensatz zu vielen anderen Länder sich, fast immer an der Oberfläche unserer Alltagsgebiete, also Wohnort, Straßen usw. abspielt. Eine öffentliche Verwirrung, ein aufgeladenes tägliches Verwirrspiel für unsere Augen.
In der Arbeit Mano bezieht sich Vidal auf seine Erfahrungen in Irland, wo ihn die dortigen Kabel- und Röhrensysteme überraschten, was sich in der Hand, die die vielen Röhren bündelt, widerspiegelt; eine Handhabung, die nicht in dem Alltag, sondern in der Kunstwelt verankert ist. Die Hand streckt sich drohend dem Betrachter entgegen, sie zeigt auf, das in Irland durch das ungenaue System, gilt auch für Mallorca, der Wasserverlust besonders intensiv ist, Verluste, die den Klimawandel beschleunigen.
Diese politische Interpretation unterliegt, oft versteckt, jeder Plastik des Künstlers, besonders wenn er sich mit verschiedenen Spachteln beschäftigt, mit der hölzernen Übergröße eines elektrischen Steckers, der gänzlich in Holz geschnitzt ist oder das Zentimetermaß im Holz, also nicht verwendbar, in der Arbeit Metro measuring Tape.
In der spanischen Kunstgeschichte finden sich keine Parallelen, ein Vorbild aber könnte der Stierschädel von Picasso sein. So setzt sich auch Vidal von den langen Traditionen der spanischen Malerei ab. Die subjektiven Bindungen an das Objekt finden so eine neue Realität. Die Werkzeuge sind Kunstwerke, die der Nutzung entzogen sind, um im Betrachter Erinnerungen, neue Überlegungen und andere Erfahrungen mit dem vertrauten Gegenstand hervorzurufen.
Der italienische Poet und Philosoph Umberto Eco nennt dieses Verfahren in dem gleichnamigen Essay 1962 die “opera aperta“ , das offene Kunstwerk, das sich jeweils auf andere Weise im Kopf des einzelnen Betrachters eine Selbstständigkeit gewinnt und sich differenziert fertig stellt. Denn jeder Betrachter trägt seine privaten Konnotationen an das Kunstwerk heran.
So wie Vidal seine eigenen Konnotationen vorträgt, in denen er seine Erfahrungen mit der objektiven Wirklich verarbeitet. Der Künstler weiß um die Fragilität der Verabredungen, er fragt dennoch permanent selbst nach der objektiven Wirklichkeit eines jeden Gegenstandes, nach der fragenden Wahrnehmung, nach der inneren und äußeren Realität. Objektivität ist das Entgegengeworfene, der Vorwurf und der Gegenwurf zugleich.
So bewegt sich Vidal mit seinen Objekten im wirklichen Leben, in der Kunstgeschichte, in der Soziologie ebenso wie in der Philosophie. Seine Arbeiten sind interpretierende und somit hermeneutische Objekte.
Die Objekte von Marcos Vidal entziehen sich schnell den klassischen Verortungen durch das Wort. Zeigen sie eine objektive Wirklichkeit auf, sind sie objektiv wahr oder sind sie plastische Träger einer objektiven Wahrnehmung?
Vidal bricht die herkömmlichen Sehweisen als funktionale Verabredungen, mit denen sich die Gesellschaft ihr eigenes Verständnis und das allgemeine Zusammenleben erleichtert. Gesetze und Vorschriften werden erfunden, um die Funktionalität der Gegenstände zu garantieren. Doch diese Objektbeschreibungen sind Konstruktionen, die solange ihre Gültigkeit haben, bis eine neue Erfindung eine andere Wahrheit verlangt.
Vidal greift mit seinen Kunstwerken in diese Fragestellungen ein, in dem er durch seine Werke die Vertrautheit des Betrachters mit dem einzelnen Objekt aufgreift, um diese dann sofort wieder in Frage zu stellen. Vidal erneuert die sognannte Objektkunst, wie sie seit Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts die Kunstszene begeistert oder schockiert.
Das Glaubensbekenntnis der damaligen Zeit hieß: Objekt = objektiv = real = Realität. Das ready made unterlag dem direkten Zugriff des Künstlers, der seinerseits keine formalen Überlegungen mehr anstellen musste. Es galt nur noch, den richtigen Kontext zu finden.
Vidal liebt Objekte. Er sammelt sie, die Sägen, die Kabel und Rohre, die Spachtel, die elektrischen Stecker, das Zentimetermaß und mit besonderer Vorlieb die Holzblöcke, die er verwandelt. Nur die direkte Verwendbarkeit wird durch den neuen Charakter las Kunstwerk verboten. Jedes aufgegriffene Thema ist eine Poetisierung des eigentlichen Gegenstandes und zugleich eine kritische Hinterfragung der Funktionalität und der Akzeptanz in der kapitalistischen, kommerziellen Welt unserer Gesellschaft.
Deshalb sind die Werke des Künstlers keine Verspieltheit sondern das Resultat der eigenen kritischen Erfahrungen mit den Gewohnheiten und Gesetzen unserer Gesellschaft und zugleich die Verschönerung des Gegenstandes, der durch die neue gefundene Nichtbenutzbarkeit ein jetzt nur ästhetisches Leben vor sich hat.
Navaja knife z. B. zeigt eine Plastik mit einer großen Säge auf, die durch ihre Zickzackform von großer Dynamik ist. Trotz des geschnitzten groben Holzgriffs ist sie nicht direkt zu benutzen. Doch den Künstler erinnert sie an das elektrische System in Spanien, das im Gegensatz zu vielen anderen Länder sich, fast immer an der Oberfläche unserer Alltagsgebiete, also Wohnort, Straßen usw. abspielt. Eine öffentliche Verwirrung, ein aufgeladenes tägliches Verwirrspiel für unsere Augen.
In der Arbeit Mano bezieht sich Vidal auf seine Erfahrungen in Irland, wo ihn die dortigen Kabel- und Röhrensysteme überraschten, was sich in der Hand, die die vielen Röhren bündelt, widerspiegelt; eine Handhabung, die nicht in dem Alltag, sondern in der Kunstwelt verankert ist. Die Hand streckt sich drohend dem Betrachter entgegen, sie zeigt auf, das in Irland durch das ungenaue System, gilt auch für Mallorca, der Wasserverlust besonders intensiv ist, Verluste, die den Klimawandel beschleunigen.
Diese politische Interpretation unterliegt, oft versteckt, jeder Plastik des Künstlers, besonders wenn er sich mit verschiedenen Spachteln beschäftigt, mit der hölzernen Übergröße eines elektrischen Steckers, der gänzlich in Holz geschnitzt ist oder das Zentimetermaß im Holz, also nicht verwendbar, in der Arbeit Metro measuring Tape.
In der spanischen Kunstgeschichte finden sich keine Parallelen, ein Vorbild aber könnte der Stierschädel von Picasso sein. So setzt sich auch Vidal von den langen Traditionen der spanischen Malerei ab. Die subjektiven Bindungen an das Objekt finden so eine neue Realität. Die Werkzeuge sind Kunstwerke, die der Nutzung entzogen sind, um im Betrachter Erinnerungen, neue Überlegungen und andere Erfahrungen mit dem vertrauten Gegenstand hervorzurufen.
Der italienische Poet und Philosoph Umberto Eco nennt dieses Verfahren in dem gleichnamigen Essay 1962 die “opera aperta“ , das offene Kunstwerk, das sich jeweils auf andere Weise im Kopf des einzelnen Betrachters eine Selbstständigkeit gewinnt und sich differenziert fertig stellt. Denn jeder Betrachter trägt seine privaten Konnotationen an das Kunstwerk heran.
So wie Vidal seine eigenen Konnotationen vorträgt, in denen er seine Erfahrungen mit der objektiven Wirklich verarbeitet. Der Künstler weiß um die Fragilität der Verabredungen, er fragt dennoch permanent selbst nach der objektiven Wirklichkeit eines jeden Gegenstandes, nach der fragenden Wahrnehmung, nach der inneren und äußeren Realität. Objektivität ist das Entgegengeworfene, der Vorwurf und der Gegenwurf zugleich.
So bewegt sich Vidal mit seinen Objekten im wirklichen Leben, in der Kunstgeschichte, in der Soziologie ebenso wie in der Philosophie. Seine Arbeiten sind interpretierende und somit hermeneutische Objekte.
